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„Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.“ Markus, Kapitel 10, Vers 45
Liebe Leserinnen und Leser,
wofür würden Sie Ihr Leben einsetzen? Oder anders, aber genauso persönlich gefragt: Gibt es einen Menschen oder eine Wahrheit, für die Sie bereit wären, das Wertvollste herzugeben, das wir nach menschlichen Maßstäben in die Waagschale werfen können, die eigene Existenz?
Sie müssen darauf jetzt nicht antworten, nicht einmal in Gedanken sich selbst. Vielleicht ahnen Sie aber, worum es bei einer Lebenshingabe gehen könnte: Um Gerechtigkeit und Schutz und Freiheit. Mohamed Bouazizi ist 1984 in Sidi Bouzid in Tunesien geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters war er der Ernährer für seine Geschwister und seine Mutter als „Gemüsehändler mit mobilem Marktstand“. Im Dezember 2011 wurde zum wiederholten Male seine Ware und seine Waage beschlagnahmt, seine Beschwerde abge-wiesen und er selbst auf der Polizeiwache misshandelt. Am 17. Dezember übergoss er sich mit Benzin und zündete sich selbst an – protestierend gegen das Elend und für Gerechtigkeit in seinem Land.
Er starb am 4. Januar 2012. Seine Tat – Aufstand und Verzweiflung – löste den „Arabischen Frühling“ aus. Als 2002 die zweite Intifada („Abschütteln“) im Westjordanland und im Gaza zwei Jahre alt war, ging ein Foto um die Welt: Es zeigte einen Vater, einfach gekleidet, ohne Stiefel und Helm und unbewaffnet, kauernd an einer weiß getünchten Hauswand hinter einem Wasserbottich, die Augen weit aufgerissen. Er suchte Schutz vor Gewehrsalven und versucht, seinen Sohn – noch ein Kind – hinter sich zu bergen. An der Hauswand sieht man Schusslöcher.
In der Passionszeit 2012, den sieben Wochen vor Ostern, werden christliche Gemeinden das Leiden und Sterben Jesu Christi betrachten. Nach ihrem Glauben geht es auch dabei um Gerechtigkeit und Schutz und Freiheit. Gott leidet aus Liebe mit seinen Geschöpfen, aber auch aus Liebe an seinen Geschöpfen. Damit am Ende alles gut wird und Menschen schon jetzt Nächsten- und Selbstliebe üben.
Ihr Harald Merz, Pastor
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Konfirmation 2012




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